Behind The ScenesTech Talk

Unsere Livestream Konzerte – TECH TALK

Livestream Konzert von Neuton

Da uns, wie allen anderen Musikern auch, aktuell die Möglichkeit genommen ist live vor echten Menschen zu spielen, haben wir vor einigen Wochen angefangen Livestream Konzerte zu geben. Aktuell streamen wir jeden Dienstagabend um 20:00 über unseren YouTube Kanal und Facebook live. Den letzten Livestream vom 31.3. könnt ihr euch hier ansehen.

Disclaimer

Wir hatten vorher keinerlei Erfahrung mit Live-Streaming oder Online-Konzerten und haben uns alles, was ich in diesem Artikel beschreiben werde, über das Internet angeeignet. Deshalb sind die folgenden Informationen als Erfahrungsbericht zu verstehen, nicht als Anleitung mit Garantie. Außerdem die kurze Warnung: es folgt eine Menge Tech-Talk. Da das hier ein Überblick sein soll, werde ich nicht jedes Thema in ausreichender Tiefe behandeln können. Ich versuche das Ganze mit so vielen Links wie möglich auszustatten, sodass ihr weitergehende Infos selbst nachlesen könnt. Wenn ihr danach immer noch Fragen habt meldet euch einfach per Mail bei mir.

Rechtliches

Livestreams mit redaktionell gestaltetem Inhalt, einer potentiellen Zuschauerzahl von mehr als 500 Menschen und ausgefeilter technischer Umsetzung (mehrere Kameraperspektiven z.B.) benötigten vor Corona eine Rundfunklizenz. Das entsprechende Gesetz ist eigentlich schon lange veraltet und deshalb haben die Medienanstalten die Bestimmungen aktuell gelockert. Ein Stream mit der im Folgenden beschriebenen technischen Umsetzung ist trotzdem noch meldepflichtig, allerdings sind daran keine Auflagen, Lizenzen oder sonstige Verpflichtungen gebunden. Diese Ausnahmeregelung gilt erstmal bis zum 19.4. Weitere Informationen zu dem Thema findet ihr HIER.

Audio

Um den Sound für unseren Livestream aufzunehmen und zu mischen, benutzen wir dasselbe Equipment wie für unsere Live-Auftritte. Zwei Sennheiser Funkmikrofone (ew100 G4 mit 865er Kapseln) und ein Digitales Mischpult (Behringer X-Air 18). Das Ganze wird über ein iPad von unserem Toningenieur David Ropertz gemischt (übrigens der einzige Mensch den wir seit Wochen in echt gesehen haben…) Die Stereosumme geht dann per XLR Kabel in ein USB-Audiointerface (Steinberg UR824), was an den Rechner angeschlossen ist.

Für das Monitoring benutzen wir zwei Sennheiser ew300 InEar-Funkstrecken mit unseren Rhines Costum Monitoring Kopfhörern. So kann jeder von uns den Sound nach seinen eigenen Vorlieben gestalten und wir können alles hören, was von der Loopstation (Boss RC-30) kommt.

Video & Bild

Wir nutzen tatsächlich „nur“ iPhones als Kameras. Ein iPhone 11 als Frontale, ein iPhone Xr (Danke David!) von der Seite und ein iPhone 8 als Close-Up. Alle Handys sind per Lightning-USB Kabel an einen USB 3.0-Hub angeschlossen, der wiederum am Rechner hängt. Die iPhones sind mit diesen Klammern auf normale Kamerastative montiert.

TIPP: Wir haben festgestellt, dass der USB-Hub mit 3 Kamera Signalen ausgelastet ist. Das Audiointerface MUSSTE in unserem Fall an einem anderen USB-Anschluss am Rechner stecken.

Wenn man keine zu hochwertigen Kameras benutzt muss man umso mehr darauf achten, dass das Bild gut ausgeleuchtet ist. Zu diesem Zweck haben wir drei Softboxen um uns herum positioniert. Zwei leuchten von vorne und eine steht schräg hinter uns (meistens in den Streams zu sehen).

Software

Die verschiedenen Video- und Audiosignale müssen für den Stream ja zusammen-„gemischt“ werden. Zu diesem Zweck gibt es diverse Streaming-Software. Die beliebteste und wohl am weitesten verbreitete ist OBS Studio, eine Open-Source Broadcasting Software. OBS besteht nur aus den nötigsten Features, um einen Livestream zu verwalten und ist genau deshalb nicht allzu CPU-belastend. Außerdem gibt es die zugehörige iOS-App OBS Camera, die die Einbindung der iPhones als Kameras sehr einfach macht. Dazu muss man dann auf dem Rechner noch das iOS-Camera Plugin für OBS installieren.

Mit dieser Software lassen sich Kameraperspektiven umschalten, Texte einblenden und den Ton mischen. TIPP: Wir haben in OBS nochmal einen Limiter (Begrenzer) und einen Gain-Regler als Filter auf dem Audioausgang eingestellt, damit der Sound am Ende auch laut genug ist.

Distribution

Das allerwichtigste zuerst: Der Rechner mit der Broadcasting-Software sollte per LAN-Kabel an den Router angeschlossen sein. Eine WLAN Verbindung funktioniert möglicherweise auch, ist aber deutlich anfälliger für Störungen oder ausfälle.
Da wir aktuell gleichzeitig auf YouTube und Facebook streamen wollen, benötigen wir einen Simulcasting-Anbieter. Wir haben uns für Castr.io entschieden, da die Oberfläche sehr einfach zu bedienen ist und unser benötigter Funktionsumfang für einen kleinen monatlichen Beitrag angeboten wird. Jeder Empfänger deines Streams stellt einen sog. „Streamkey“ und eine Serveradresse bereit. Beides musst du in der Streaming-Software angeben, damit der Stream am richtigen Ende wieder herauskommt. In unserem Fall OBS nach Castr.io. Auf Castr.io kann man dann denselben Vorgang wiederholen und die Adressen und Streamkeys von Youtube und Facebook eingeben. (Anleitung Facebook / Anleitung Youtube)

Spenden

Der einfachste Weg heutzutage Spenden anzunehmen ist PayPal. Dafür benötigt man lediglich ein PayPal Konto. Der wohl einfachste Weg euren Zuschauern eine Oberfläche zu bieten, die das Bezahlen so einfach wie möglich macht, ist ein PayPal.me-Link. Damit erstellt ihr eine Seite, auf der ein Zuschauer nur noch den Betrag und seine PayPal-Adresse eingeben muss. Den Link solltet ihr dann möglichst gut sichtbar in eurem Livestream platzieren. Das kann man z.B. über OBS machen in dem man einen Text zur entsprechenden Szene hinzufügt, oder aber man schreibt den Link auf ein Letterboard oder eine Lightbox, die im Bild zu sehen ist.

Extras / Streamlabs

Um euren Stream noch interessanter zu gestalten gibt es Tools wie Streamlabs. Darüber kann man Spenden sammeln, Hinweise (Alerts) generieren, einen Chatbot (Moderator) in den Live-Chat einbinden u.v.m. Wenn ihr unseren TRASHPOP-Livestream gesehen habt (Das ist der erste in dem alles reibungslos funktioniert hat), dann habt ihr einige der Elemente vielleicht schon in Aktion gesehen. So haben wir z.B. einen sichtbaren Hut im Stream, in den jedes Mal Geld fällt, wenn jemand etwas spendet. Außerdem kann man über die Spenden Nachrichten senden, die dann im Bild angezeigt werden. Um solche Elemente in den Stream einzubinden, muss man sich bei Streamlabs.com einloggen (in unserem Fall mit unserem YouTube-Konto) und dort die entsprechenden Funktionen für den eigenen Stream konfigurieren. Danach lassen sich Widgets wie die Alert-Box oder das Spendenglas/Hut per Browser Link über OBS in den Stream einbinden.

Schlusswort

Nicht jeder hat die Zeit, die Lust, die Energie, das Know-How oder die Ressourcen um einen Live-Stream in diesem Umfang durchzuführen. Bei all dem Tech-Talk in diesem Artikel habe ich die Gestaltung des Livestreams komplett außenvorgelassen. Das ist natürlich aber das Hauptelement eures Streams und sorgt zum allergrößten Teil dafür ob Zuschauer dranbleiben oder irgendwann abschalten. Eine Setlist mit einem schönen Spannungsbogen, unterhaltsame Moderation zwischen den Songs und ein hoher Entertainment-Faktor werden am Ende maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg eures Online-Konzerts haben. Außerdem sind wir persönlich der Meinung, dass man aktuell auf traurige und zu viele zu langsame Songs gerne verzichten darf. In Zeiten von so großer Unsicherheit ist der Mehrwert von positiven Songs, Mut-machenden Geschichten und Good Vibes nicht zu unterschätzen.

In diesem Sinne: Wir wünschen euch ganz viel Erfolg dabei euren Zuschauern auch in dieser komischen Zeit mit euren Livestreams Liebe, Freude, Mut und Zuversicht zu bringen!

PS: Wenn ihr unseren YouTube-Kanal abonniert, verpasst ihr keinen Livestream mehr!

PPS: Sollten die ganzen Informationen, die ich für euch zusammengetragen habe, weiterhelfen, würde ich mich über eine Unterstützung per PayPal (PayPal.me/tobiaskeilmusic) freuen. Bei Fragen erreich ihr mich am besten per Mail. Euer Tobias

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